Fragen zum RKK und seinem Standort

Ein Regensburger Architekt über Sinn und Unsinn in der Regensburger Stadt- und Verkehrsplanung

Unter Beachtung des Alleengürtels – des Welterbes Regensburger Altstadt – ist das wichtigste Ziel:

Regensburg braucht einen ruhigen einladenden Stadteingang in der Hauptachse vom Bahnhof über die Maximilianstraße in die Altstadt.

Überprüfung: Herr Professor Hubel hat in einer aufwendig detailliert dargelegten Recherche nachgewiesen, dass mit der Fertigstellung des Marina Forums ab 01.01.2018 und dem Audi-Max der Universität der große Veranstaltungsbereich für Regensburg abgedeckt werden kann. Auch das Kolpinghaus an zentraler Stelle, mitten in der Stadt mit vielen Möglichkeiten ist dabei mit zu erwähnen. Darüber hinaus gibt es für mittlere und kleinere Veranstaltungen viele weitere Möglichkeiten, die den gesamten Bedarf abdecken.

Deshalb braucht Regensburg kein RKK am Ernst- Reuter-Platz mehr.

Etwas anderes soll gestaltet werden.

Wie in Leserbriefen schon angeprangert, ist die versprochene Bürgerbeteiligung – Stadtraum gemeinsam gestalten – nur eine gigantische Werbeaktion der Stadt – mit Beteiligung und Einbindung eines Propaganda-Aktivisten, der lautstark im Sinne der Stadt für die unbedingte Notwendigkeit eines RKK am Ernst-Reuter- Platz trommelt. In der von der Stadt heraus gegebenen Informationsbroschüre wird den Bürgern mit wunderschönen Formulierungen und ergänzt durch Zeichnungen eine idyllische Vision vorgegaukelt, die so nicht richtig ist, die Tatsachen verfälscht und einer fachlichen Analyse auch nicht standhält. Es ist verwerflich, wie die Stadt mit der Zusammenstellung von falschen Argumenten den Bürgern vorgaukelt, so zum richtigen Ergebnis zu kommen. Auf diese Weise wird der Bürger instrumentalisiert und zur manipulierbaren Stimmmasse degradiert, mit dem Ziel, den Fragebogen der Stadt so zu unterschreiben, dass die falschen städtebaulichen Ziele, das RKK am Ernst- Reuter- Platz im Sinne der Stadt verwirklicht werden können.

Hier nun zu den Fakten. In ihrer Information Broschüre zur Bürgerbeteiligung schreibt die Stadt: “Der Stadtrat hat entschieden, das RKK auf den Ernst-Reuter- Platz zu bauen. Außerdem sind die vorhandenen Grünräume aufzuwerten und der Alleengürtel zu stärken. Ziel ist es, diesen Stadtraum zukunftsfähig zu entwickeln.”Dazu ist folgendes zu erwidern. Was heißt hier zukunftsfähig zu entwickeln? Schon beim damaligen Keplergebäude und später beim Bau des Studentenheimes am Ernst-Reuter-Platz wurde in den 60 er Jahren der Baumbestand der Allee nach Bedarf einfach abgeholzt. Und heute müssten für den Bau eines RKK im Baufeld des gesamten Umgriffs zusätzlich ca. 150 Bäume in der durch das Welterbe geschützten Allee abgeholzt werden. Damit verstößt die Stadt eklatant gegen das Versprechen, das die Stadt der UNESCO zum Erreichen des Welterbe Titels gab – nämlich auch den die Altstadt umschließenden Alleengürtel – als kulturelles Erbe der Menschheit für die nachfolgenden Generationen zu schützen und zu erhalten. Und noch hinzu: Die Irreführung im Wortlaut der Stadt. Wertet man vorhandene Grünräume auf, indem man ca. 150 Bäume in einem vom Welterbe geschützten zusammenhängenden Alleenbereich vernichtet?

Nein – Tatsache ist vielmehr, dass in Regensburg die Feinstaubbelastung schon über den gesetzlichen Grenzwerten liegen und die Atemluft – d. h. die Gesundheit der Menschen belastet. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, brauchen wir Bäume und Alleen, die das klimaschädliche CO-2 aufnehmen, nur dies führt zur Reduzierung der Treibhausgase und wirkt einem derzeit ungesunden Stadtraum entgegen und wertet ihn auf. Genau das ist hier wichtig für die Regensburger Bürger.

Den von der Stadt eingesetzten Planungsgruppen war – zwingend vorgegeben – ein RKK mit ca. 1800 Saalsitzplätzen (Vorgabe Gutachten Baum) im geschützten Alleenbereich am Ernst-Reuter-Platz einzuplanen. Ein frommer Wunsch wird es wohl bleiben, in der Meinung, dass ein RKK keine Tiefgarage für Besucher erhält – nachdem hier überall für kurze Wege plädiert wird. Nach einer Konzertveranstaltung wollen dann ca. 900 in der Tiefgarage parkende Autos schnellstmöglich herauskommen. Sie stehen dann in Schlangen hintereinander aufgereiht, bei ROT in den Stauräumen vor den Ampelanlagen. Dabei herrscht in den umliegenden Straßen schon hohes Verkehrsaufkommen- auch mit Bussen- manchmal sind es sogar chaotische Zustände. Verkehrsstau vor den Ampelanlagen und Fußgängerüberwegen. Lärm, Hektik und Stress an den Bußhaltestellen, das ist der Alltag der Menschen schon heute in diesem Bereich. Nicht zu vergessen, zusätzlich hinzukommt aber wegen des geplanten RKK, die Umweltverschmutzung durch die Autoabgase der vielen Autos und teils Bussen, die in das RKK ein und dann wieder ausfahren wollen.

An anderer Stelle in der Informationsbroschüre schreibt die Stadt:

“Mit dem Abriss und dem Neubau der Gebäude für das RKK müssen Bäume gefällt und Grünräume verändert werden. Mit einem RKK ist jedoch die Möglichkeit verbunden, an diesem wichtigen Eingang in die Altstadt einen besonderen „architektonischen Akzent” zu setzten.

Was versteht die Stadt wohl darunter? Ein Musterbeispiel für einen derartigen architektonischen Akzent ist der Stadt am Donaumarkt – mit dem Bau des neuen Museums der Bayerischen Geschichte – trotz vorrausgegangenen Architektenwettbewerb “gelungen.”

Es ist hier ein sichtbarer städtebaulicher Schaden entstanden für das historische Welterbe Regensburger Altstadt. Begleitend hinzu kommt hier das Hereinholen des massenhaften Personen-Schiffsverkehrs hinein bis in die Kernzone der Altstadt, bis zur Eisernen Brücke. Statt hier das einmalige Flair der Flusslandschaft durch das Fortführen der baumbegleitenden Flaniermeile des Marc-Aurel-Ufers von der Steinernen Brücke bis zur Königlichen Villa fortzuführen, wurde ab der Eisernen Brücke eine störende monströse Abfahrtsrampe für Busse der Schiffstouristen und dazu eine Autostraße entlang des Flussufers der Donau angelegt. Welch eine städtebauliche Fehleinschätzung im Sinne der Regensburger Bürger.

Zum Abschluss noch eine Anregung für den Allee-Standort des RKK am Ernst-Reuter-Platz.

Der Stadtrat möge mithelfen, diesen für die Regensburger Bürgerschaft so wichtigen Stadtraum, wirklich neu zu gestalten, ihn vor allem zu beruhigen. Wichtig dabei ist: Die durch das Welterbegeschützte Allee als besonderes Geschenk für die Stadt Regensburg zu begreifen.

Den Maßstab, wie hier gestaltet werden könnte, liefert uns als Beispiel, ein wunderschöner Regensburger Park. Es ist der Dörnberg-Park mit seinem gegliederten pavillionartigen Gebäudeabschluss im Norden und dem inspirierenden Cafe mit seinem eigenen Flair im Süden.

Dies als Anmerkung, als Gegenpol zu einem sog. riesigen hohen Betonklotz für ein RKK in der Baumallee Ernst-Reuter-Platz, wie von der Stadt geplant.

Josef Winkler, Regensburg, 08.11.2017

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